Chronik Oberdünzebach
Oberdünzebach und Niederdünzebach, heute Stadtteile von Eschwege am Fuße des Schlierbachwaldes gelegen, tragen den selben Namen wie das aus dem Schlierbachswald kommende Bächlein, das in die Werra mündet. Die Namen der Ortschaften weisen schon auf eine Jahrhunderte alte Zusammengehörigkeit hin. Ihre Entstehung könnte im 9. bis 10. Jahrhundert liegen.
Bei der ersten Nennung von Dünzebach in einer Urkunde vom 21.05.1263 geht es um eine Hufe Land zwischen Thuneenbach und Owa gelegen (Niederdünzebach und Aue). (Hufe:= Land eines Bauernhofes)
1308 werden die Orte durch die Bezeichnung inferius Tunzebach erstmals in der schriftlichen Überlieferung unterschieden (inferius – tiefer gelegen). Niederdünzebach kann als älteres Dorf angesehen werden.
1433 wird Obirntünzebach erstmalig erwähnt. Am 7.Juni 1433 übertragen die Herren von Duderstadt verschiedene Güter zu Nieder- und Oberdünzebach an das Augustinerkloster Eschwege.
Gerichts- und Gutsherren sind die von Boyneburg-Hohenstein. Weitere boyneburgische Dörfer sind: Grandenborn, Hoheneiche, Langenhain, Netra, Niederdünzebach, Oetmannshausen, Rechtebach, Reichensachsen, Röhrda, Thurnhosbach und Wichmannshausen.
Oberdünzebach ist von der Lage her ein typisches Straßendorf. An der langgestreckten Dorfstraße bauten die Bewohner links und rechts ihre Häuser. Die meisten Einwohner, neben einigen Ackermännern, waren Handwerker und fanden Arbeit in Eschwege und Umgebung. Die Tagelöhner arbeiteten auf den Gütern, im Wegebau und im Wald. In landwirtschaftlichem Nebenerwerb erwirtschafteten einige ihre Grundnahrungsmittel.
Die Wasserversorgung erfolgte durch Ziehbrunnen und Pumpen. Es wird berichtet, dass zwei Ziehbrunnen in trockenen Jahren versiegten. Auch der Dünzebach führte dann kein Wasser. Der Straßennamen „Hungerborn“ kann hierfür als Beweis gelten. Mit Hungerborn bezeichnet man Brunnen oder Quellen, die bei größerer Dürre versiegen und nicht das ganze Jahr Wasser spenden. Den Schlierbachswald oberhalb Oberdünzebachs durchzog eine alte Handels- und Heeresstraße, die Alte Straße. Diese führte von Treffurt an Heldra vorbei, durch die Werrafurt bei Großburschla und durch den Schlierbachswald über Reichensachsen und Waldkappel nach Spangenberg. Auf ihr zogen die Treffurter Ritter zur Spangenburg. Die spätere Alte Mühlhäuser Straße führte von Mühlhausen über Wanfried, durch die Werrafurt Schwebda nach Nieder- Oberdünzebach und Reichensachsen. Von dort aus bestanden Verbindungen nach Waldkappel/Kassel, Sooden-Allendorf und zur Nürnberger Straße, die durch das Ulfetal führte. Die Straßen waren jedoch in keinem guten Zustand.
Eschwege lag im Mittelalter abseits vom Verkehr. Eine Zollstation befand sich beim Dorfe Oberdünzebach an der Alten Mühlhäuser Straße. So sahen die Eschweger Stadtväter neidvoll auf diese Zollstation und baten in einem Schreiben vom 15.06.1578 den Landgrafen Wilhelm IV, „doch den Zoll von Tunzebach gegen Eschwege in die Stadt zu transferieren und die Fuhrleute dorthin fahren und zollen zu lassen“. Der Bitte wurde entsprochen und der Verkehr wandte sich nun immer mehr von der Alten Mühlhäuser Straße ab und der Stadt Eschwege, der neuen Talstraße über Schwebda zu.
1585 gab es in Oberdünzebach 17 Haushaltungen mit 85 Einwohnern.
Der 30jährige Krieg (1618 – 1648) hinterließ auch in Dünzebach seine schrecklichen Spuren. Besonders im Jahre 1637 wurde die hiesige Gegend von den Kroaten heimgesucht. In einer 1639 durchgeführten Bestandsaufnahme heißt es: es sind noch 11 Mann, früher waren es 24. 5 Mann sind noch bei ihren Häusern und 8 Witwen. 6 Mann haben Haus und Gut verlassen, sind fort gezogen. Viehbestand: 5 Pferde, 5 Kühe, 0 Schweine, 0 Schafe.
1732 Kirchenneubau nach Bauplänen des Kasseler Archtekten Charles du Ry ersetzt Fachwerkkirche. Die Orgel aus dem Jahre 1842 von J. W. Schmerbach aus Frieda erbaut, mußte 1970 durch eine Orgel der Firma Bosch, Kassel, ersetzt werden. Das Geläut bestand aus 2 kleinen Glocken, eine der Überlieferung nach aus der Kirche des Dorfes Schlierbach, das im 15. – 16. Jahrhundert nach und nach verlassen wurde. Die Glocke wurde etwa um 1450 gegossen und ist heute im Heimatmuseum Eschwege ausgestellt. 1834 wurde sie ersetzt und im ersten Weltkrieg eingeschmolzen. 1924 konnten durch Spenden 2 neue größere Glocken angeschafft werden. Die größere Glocke wurde 1942 eingeschmolzen. Sie konnte 1953 durch eine neue Glocke ersetzt werden. Sitz des Kirchspiels ist Niederdünzebach, Oberdünzebach und Aue sind Filialgemeinden.
1747 42 Haushalte
1770 48 Häuser,  274 Einwohner                                                                                                                                                                    Erwerbstätige: Ackermänner, 3 Zimmerleute, 2 Wirte, 2 Bild-Tuchmacher, 1 Leineweber, 1 Schmied, 1 Schneider
1832 Von privat angekauftes Haus wird Schule Es sind 100 Schulkinder, die von einem Lehrer unterrichtet werden.
1854 68 Häuser, 101 Familien mit 453 Personen
Erwerbstätige: Ackermänner, 5 Weißbinder, 4 Maurer, 2 Leineweber, 2 Schmiede, 2 Scheider, 4 Zimmerleute, 1 Wirt,                                              45 Tagelöhner
Viebestand: 9 Pferde, 48 Ochsen, 85 Kühe, 80 Schweine, 725 Schafe.

1875 Gründung der Freiwilligen Feuerwehr, als Nachfolger der Pflichtfeuerwehr.
1894 Gründung des Männergesangverein „Germania Oberdünzebach“
1910 525 Einwohner
1911 Gründung des Arbeiterturnvereins
1914 Fertigstellung des zweiklassigen Schulneubaus mit Lehrerwohnung
1915 Anschluß an die Elektrische Stromversorgung
1921 Beendigung der 1912 begonnenen Flurbereinigung
Gesangverein Germania, jetzt als Gem. Chor nach dem 1. Weltkrieg
1933 Gesangverein Germania, Gem. Chor aufgelöst, Neubeginn als Männerchor
Auflösung des Arbeiterturnvereins, Neugründung als „Männerturnverein Jahn Oberdünzebach“
1934 Die Wasserleitung ist fertiggestellt
1946 Neugründung des Turnvereins als TSV Oberdünzebach
1947 Gemischter Chor Oberdünzebach als Nachfolger des Männerchors
1951 Gründung der VDK-Ortsgruppe Oberdünzebach
Erneuerung der Dorfstraße
1954 Gründung des Schützenvereins
1957 Landwirtschaftlicher Wegeausbau aus Mitteln des Grünen Planes
1961 Gründung des Heimatvereins
Bebauung der Schlierbachstraße
1962 Ankauf von Land zur Bebauung durch die Gemeinde
Erweiterung der Wasserversorgung
Baubeginn der heutigen Kantstraße – früher Gartenstraße-
1963 Stadtwerke übernehmen Wasserleitung bis Kreuzung Ober-/Niederdünzebach
1964 Erst Teilnahme am Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“
Baubeginn im Hungerborn
1965 Baubeginn im Falkenweg und Fichtestraße
1966 Kanalisation und Bau der Kläranlage
1967 Ab 01.09. besuchen die Schulkinder die Humboldt-Schule in Eschwege
1968 Dorfstraßenausbau
1969 Bau des Löschwasserbehälters
Umbau des alten Schulgebäudes zum Verwaltungsgebäude
1970 Errichtung des Kinderspielplatzes
1971 Bestimmungsübergabe der Friedhofshalle
1972 Am 01.01. wird Oberdünzebach mit 708 Einwohnern Stadtteil von Eschwege
Abschluss der Flurbereinigung
1977 Gründung des Landfrauenvereins
1980 Baubeginn im Neubaugebiet „Auf der Hölle“
1986 Fertigstellung des Schützenheims
1989 Einweihung der Sporthalle für Ober- und Niederdünzebach
1991 Einwohnerzahl stieg auf 829
1997 Baubeginn im Neubaugebiet „Im Boden“
1998 Erneuerung der Kanalisation, der Wasserleitung und Neuverlegung einer Gasleitung mit Hausanschlüssen in der                             Hauptstraße, Pflasterung der Bürgersteige und Kreuzungsbereiche der Straße, Verlegung der Gasleitung im Hungerborn
1999 Verlegung der Gasleitung zum Baugebiet „Auf der Hölle“